Madeira 2008 - 2. Etappe

 

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(Montag, 18.02.2008)

2. Etappe

Caniço de Baixo – Camacha – Passo de Poiso – Pico do Arieiro – Terreiro da Luta - Caniço de Baixo

Üblicherweise kann man auf Madeira viele Höhenmeter machen, ohne in schwindelerregende Höhen vorzudringen, denn häufig wird man seine Tour von Meereshöhe aus starten - inbesondere, wenn man die Pension entsprechend gewählt hat. Für den Radler die gerne in den Bergen trainieren ist diese fast schon banale Feststellung ein klarer Pluspunkt um diese Jahreszeit, denn je höher absolut, desto kälter wird es... Und dennoch lässt man auch im Winter ungern die Königsetappe aus. Wie die meisten, so möchte auch ich gerne den höchsten Punkt so einer Insel erklimmen. Ich habe Glück an diesem Tag, denn strahlender Sonnenschein erwartet mich als ich wach werde. Nach dem genialen Frühstück, kann dann eigentlich auch nichts mehr schief gehen. Mein Blick schweift nach nach oben. Mein heutiges Ziel, der Pico do Ariero, wäre von Klenks Café aus auch an einem ganz klaren Tag nicht zu sehen. Auf halber Höhe etwa beiCamacha sammeln sich zwar bereits ein paar Wolken, jedoch ist dies eigentlich typisch und nicht unbedingt besorgniserregend. Der kürzeste Weg zum Pico do Arieiro führt von Caniço über die ER105 hoch nach Camacha. Nach einem kleinen, flachen „links-rechts-Schlenker“ geht es auf der ER203 unbeirrt weiter nach oben,zum ersten Zwischenziel, dem Passo de Poiso auf 1400 m. Von dort aus sind es dann noch 7  km zum Rennrad-Gipfel der Insel, dem Pico do Arieiro, auf 1818  m. Los geht’s. Wie sich rasch herausstellt, wartet das schwierigste Stück des ganzen Tages gleich im ersten Drittel des insgesamt 23  km langen Anstiegs. Zugegeben, das unten dargestellte Höhenprofil sieht relativ gleichmäßig aus, aber in diesem Fall täuscht das ein wenig. Den gemeinen Anstieg hoch in den Ort Caniço direkt nach dem Start hatte ich ja schon bei der ersten Etappe erwähnt. Aber das kleine Stück meine ich hier auch nicht. Es geht um den Anstieg von Caniço nach Camacha der sich dem anschließt. Die nächsten 4,5  km haben im Schnitt 10  % und bringen mich gehörig ins schwitzen. Oben in Camacha angekommen ist das üppige Frühstück von Klenk’s Café fast pulverisiert. Dieser Anstieg ist wirklich brutal. Immer wenn man glaubt, jetzt müsste es doch bald nachlassen, kommt ein virtuelles Schild auf dem steht: „Derf’s no weng steiler sein ?“ Moutainbiker kommern hier auch auf der Strasse voll auf ihre Kosten. Bis Camacha schraubt sich die Straße ohne ein einziges Flachstück immer geradewegs hoch Richtung Bergspitze. Etwa 5  km nach Caniço,  Richtung Camacha, kommt auf der rechten Seite ein Fußballstadion. An dieser Stelle kennt die Steigung nun wirklich keine Gnade mehr. Fußbälle die versehentlich hier die Straße runter rollen sollte man besser abschreiben... Oben in Camacha angekommen ist der erste  flache Kilometer eine echte Wohltat. Es bleibt der einzige flache Kilometer auf dem Weg zum Pico. Danach geht es wieder zur Sache. Um es aber vorweg zu nehmen: es wird besser. Die Fahrt zum Pico do Arieiro gliedert sich auf der hier beschriebenen Tour nämlich in 3 Teile. Das erste und steilste Stück habe ich gerade hinter mich gebracht. Von Camacha aus folgt ein Stück steiles Stück (ca. 8 % über 9 km) zum Passo de Poiso. Und von hier aus kann man es zum Pico do Arieiro auf einem „normal steilen“ Stück ausrollen lassen :-) (ca. 7 % über 6 km). Da mir an diesem Tag und zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar ist, dass der schwerste Teil schon hinter mir liegt, zweifle ich auf dem Weg zum Poiso leicht geschwächt kurzzeitig an meinem Ziel. Hinzu kommt, daß ich kurz hinter Camacha in die Wolken hinein fahre. Auch wenn auf dieser Höhe wie gesagt oft Wolken sind,  verunsichert mich das zunächst. Aber auch hier gibt es  wieder bald Entwarnung. Es wird nicht windig und  bleibt, wie in den Vortagen auch, angenehm warm - trotz aller Wolken. Aber erst einmal wird die Nebelsuppe noch dichter und ich beschließe einen „Café com Leite – Stopp“. An der Bar stehend und Kaffee trinkend beobachte ich das Treiben um mich herum. Ein paar Arbeiter kommen herein. Einer von Ihnen bestellt Bica (Espresso) und ein seltsames Mixgetränk, dessen Namen ich erst einmal nicht verstehe. Die Frau hinter der Theke presst zwei Orangen und eine Zitrone aus, schüttet noch etwas dickflüssiges Gelbes und etwas dünnflüssiges Klares dazu und quirlt das Ganze kräftig mit einer Art Holzstab. Fertig. Sieht gut aus denke ich und ohne es zu wissen schließe ich Freundschaft mit „Poncha“. Orangen und Zitronen, dass kann bei einer Erkältung ja nicht schaden. „So etwas hätte ich bitte auch gerne“ gebe ich in meinem besten portugiesisch zu verstehen. Das bedeutet, ich gestikuliere etwas mit den Händen rum und nach kurzer Zeit weiß die Frau hinter der Theke was ich denn möchte. Sie beginnt noch einmal mit der Mixprozedur und dann steht er da, mein Poncha. Einer kleiner Schluck... und noch einer: schmeckt fruchtig genial  !. Man muss aber kein Fachmann sein und festzustellen, daß in dieser Mixtur auch noch etwas Feuerwasser drin ist. Zur Vervollständigung: das dickflüssige Gelbe ist Honig (auch gut bei Erkältung) und das dünnflüssige Klare ist " Aguardente" , sprich madeirensischer Zuckerrohrschnaps (in geringen Mengen sicher auch gut bei Erkältung). So gestärkt erscheinen mir die vorherigen Zweifel (von wegen Nebel, schlechtes Wetter und so weiter...) jetzt wieder unangebracht. Está bem, auf zum Pico  ! Nach 4 weiteren Kilometern ist es dann soweit und der Passo de Poiso ist erreicht. Aber nicht nur der Poiso ist erreicht, sondern zunächst auch das obere Ende der Wolkendecke  und so kommt es erst einmal zum ersehnten Wiedersehen mit der Sonne. Da das Wetter hier offensichtlich schnell wechselt,  nutze ich die Gunst der Stunde und halte mich nicht lange am Poiso auf. Vom Poiso aus sind es gerade einmal noch 400 Höhenmeter zum höchsten Rennrad-tauglichen Gipfel Madeiras: ein Klacks im Vergleich zu den bisherigen Anstrengungen ! Nach ein paar hundert Metern verlasse ich den Wald und habe kurzzeitig Blick auf das Ziel am Gipfel. Das Gipfelhaus oben (Pousada do Arieiro) erscheint zum greifen nahe, aber wie immer in den Bergen täuscht so etwas gewaltig. Dennoch ist die Motivation sofort wieder voll da und wie gesagt: der obere Teil nicht so schwer. Der Blick ist so oder so beeindruckend. Die Wolkenberge steigen von unten auf und immer wieder kann man kurzzeitig das Meer ganz unten in der Ferne glitzern sehen. Mein Blick aber geht wieder nach oben. Das Ziel so nah vor Augen läuft es gleich noch etwas flüssiger, auch wenn Minuten später auf einmal wieder alles in Wolken liegt und es leicht zu nieseln beginnt. Eine letzte kleine Rampe, dann habe ich es geschafft. Der Blick ist gleich Null und nicht einmal ein fotogenes Schild lädt zum sonst obligatorischen Gipfelfoto ein (eventuell habe ich es aber in dem dichten Nebel auch nur nicht gesehen). Aber letztlich - Nebel hin oder her - kommt  ein typisches Gefühl innerer Befriedigung in mir auf: ich habe den höchsten Gipfel der Insel bezwungen – und es war mir ein Vergnügen. Mit etwas mehr Sicht wäre das hier sicherlich noch eindrücklicher, aber in solchen Augenblicken suche ich auch gerne einmal einen Vorwandt um wieder zu kommen.  Das große, aber doch gemütliche Restaurant am Gipfel eignet sich auf jeden Fall um den Bergpreis mit einem  obligatorischen Milchkaffee, einem Wasser und einem Poncha zu feiern. Jetzt noch die Klamotten wechseln und dann aber ab ins warme Richtung Meer. Apropos Klamotten - gestern beschlossen, heute schon mit dabei: der Rucksack mit den trockenen Wechselsachen für die Abfahrt. Um diese Jahreszeit und genau an diesem Tag absolut die richtige Entscheidung. Oben am Pico ist man garantiert durchgeschwitzt. An einem heißen Tag kein Problem, aber an einem wolkigen, fieseligen-nieseligen Tag wie diesem, wird es unter in den nassen Sachen bei der Abfahrt garantiert unangenehm. Leider kann man sich auf einer Insel wie Madeira um diese Jahreszeit auch bei kurzen Strecken in die Berge nicht auf das Wetter beim Start unten an der Küste verlassen. Oben kann es 2 – 3 Stunden später nämlich ganz anders aussehen. Zurück zu Abfahrt vom Gipfel. Was jetzt kommt ist Genuss pur. Wie toll muss das erst bei strahlendem Sonnenschein sein ? Aber trotzdem: zunächst absolute Aufmerksamkeit bitte  ! Auf keinem Fall sollte man die 3 gemeinen Wiederoste vergessen, die man auf dem Weg nach oben passiert hat ! Diese " Killer" vertragen keine Unachtsamkeit und können dem ganzen Spaß ein schnelles und jähes Ende bereiten. Wer sich nicht mehr ganz sicher ist, wo die Dinger waren, sollte es bis zum Poiso lieber etwas langsamer rollen lassen – aller Abfahrtslaune zum Trotz. Vom Poiso aus kommt man zunächste auf dem gleichen Weg wie bergauf, nach ca. 500 m an eine Abzweigung. Links geht es wieder nach Camacha, rechts nach Funchal. Ich wähle die Alternative Richtung Funchal und liege mit dieser Entscheidung goldrichtig. Keine Ortschaften, kaum Autos, ein ganz passabler Straßenbelag, keine Wiederoste und nicht ganz so steil wie der Weg runter nach Camacha. Mit anderen Worten: hier kann man es mal so richtig krachen lassen. Die nächste Abzweigung nach ca. 6.5  km geht es dann bei Terreiro da Luta, an der Friedensmadonna (Nossa Senhora da Paz), links weiter nach Caniço. Diese nette kleine Straße durch die Eukalyptuswälder zurück nach Caniço kann ich nur empfehlen. Auf diesem Abschnitt habe ich absolut keinen kein Gegenverkehr und immer wieder ist die Straße gespckt mit schönen Ausblicken zum Meer. Die etwa 5  % Gefälle auf den nächsten 10  km geniesse ich in vollen Zügen. Noch dazu lasse ich unterhalb von 800 Höhenmetern, bei Terreiro da Luta, die Wolkendecke hinter mir. Die Sonne lacht wieder. Die letzen 6  km zur Pension geht es dann auch noch rasanter bergab und ich kann den Tag in Richtung Caniço de Baixo genial entspannt ausrollen lassen. Im Rückblick gesehen wäre die Tour in die entgegengesetzte Richtung einfacher, aber mir macht die flachere Abfahrt eigentlich mehr Spaß. Geschmackssache !

Fakten:

Streckenlänge: 54 km
Höhendifferenz bergauf: 1892 m
Maximale Höhe der Tour: 1821m
Durchschnittssteigung (Höhenmeter bergauf bezogen auf die Gesamtstrecke): 3,5 %
Profilcharakter: bergig, aber nur ein kontinuierlicher Anstieg schöne Abfahrt. Das Profil ähnelt der Etappe auf die Paul de Serra (siehe „4. Etappe“), fängt aber schwieriger an.
Kurzbeschreibung: Aussicht (wenn man eine hat) vom höchsten Berg Madeiras




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Madeira 2008 2. Etappe

 

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